Du stehst an der Kasse im Supermarkt. Es ist brechend voll und du fragst dich, warum keine weitere Kasse geöffnet wird. Du willst schließlich den Anfang deiner Lieblingsserie nicht verpassen.

Ungehalten wippst du mit dem Fuß.

Das kann doch wohl nicht wahr sein, dass zur Haupteinkaufszeit nur so wenige Kassen geöffnet sind. Endlich! Nur noch eine Person steht vor dir in der Warteschlange. Die Dame vor dir packt in Ruhe ihre Lebensmittel in ihren Einkaufskorb ehe sie ihren Geldbeutel (natürlich von ganz unten!) aus ihrer Tasche kramt. Du runzelst die Stirn. Hätte sie den nicht schon mal bereitlegen können? Und zu allem Überfluss möchte die Dame Kleingeld loswerden und sucht ewig nach den passenden Cent-Stücken. Das hatte dir gerade noch so gefehlt…

In der (wohl bemerkt etwas überspitzten, aber durchaus nicht unrealistischen) Situation fehlt eigentlich nichts mehr für einen gestressten Anfang eines eigentlich gemütlich geplanten Fernsehabends.

Bestimmt warst auch du schon mal in so einer Situation oder kannst das Beschriebene aus anderen Situationen nachvollziehen. Reagierst du manchmal ähnlich? Wenn ja, wie geht es dir damit?

Während mich früher recht schnell etwas auf die Palme gebracht hat ;), bin ich heute deutlich gelassener, wobei wir unsere Charakterzüge nie gänzlich ändern werden. Wenn in mir heute jedoch solche Gefühle hochsteigen, weiß ich sie wahrzunehmen und kann sehr viel entspannter damit umgehen.

Denn seien wir mal ehrlich: Keiner möchte einen gemütlichen Fernsehabend mit dem Gräul über etwas verbringen, dass doch eigentlich so eine Nebensache ist oder? Eigentlich möchte ich nicht mal, dass mir dadurch die ersten Minuten vermiest werden. Diese Entscheidung habe ich für mich getroffen!

Und hast du in einer solchen Situation schon mal probiert, bewusst deine Muskeln zu entspannen, dich vom nervösen Wippen abzuhalten und stattdessen ruhig stehend das Geschehen auf dich wirken zu lassen?

Wer meinen Podcast „Deine Gefühle beginnen bei dir“ schon gehört hat, wird wissen, worauf ich hinaus will. 😉 Die Situation, in der du dich gerade befindest, kannst du sowieso nicht ändern. Es wird dir aber viel leichter fallen, sie zu ertragen, wenn du dich körperlich entspannst. Du kannst dich entscheiden, ob du komplett gestresst nach Hause kommst oder in freudiger Erwartung.

Denn Psyche und Körper hängen sehr stark zusammen. In der Psychologie wird dieses Phänomen Bodyfeedback genannt. Der Körper gibt durch seine Mimik und seine Körperhaltung Rückmeldungen an das Gehirn. Diese Rückmeldungen beeinflussen nicht nur deine Laune, sondern auch weitere Schritte der Informationsverarbeitung.

Hast du schon mal ein Buch mit Tipps und Ratschlägen zur Verbesserung deines Selbstbewusstseins gelesen? Oder hast du schon mal ein Seminar zum Thema Präsentationstechniken besucht?

Es wird dir geraten, eine aufrechte Haltung einzunehmen, zu lächeln, negative Worte aus dem Sprachgebrauch zu „streichen“, dich bequem, aber angemessen zu kleiden und und und… Unterm Strich wird klar: Verhalte dich bei einem wichtigen Vortrag so, als sei es das normalste der Welt, das zu tun. Zeig Selbstbewusstsein und Sicherheit! Wenn du alles danach ausrichtest, wird auch dein Inneres davon überzeugt sein und dir wird alles sehr viel leichter fallen. Warum? Weil deine Psyche durch deinen Körper geleitet wird.

Ich habe in diesem Zusammenhang ein schönes Comic entdeckt von den Peanuts:

Ich musste wirklich lachen, als ich das entdeckt habe. Aber genauso ist es!

Es nützt dir nichts, wenn du dir einen Satz zurecht legst, der dich aufbauen soll, dein Körper aber völlig in sich zusammengesackt ist. Es nützt dir nichts, wenn du im Supermarkt zu dir selbst sagst, dass du dich nicht aufregen brauchst, wenn du nebenbei vor lauter Ärger die Brötchentüte zerknüllst.

Ein angespannter Körper wird eine angespannte Psyche zur Folge haben und das natürlich auch umgekehrt.

Wenn deine Gedanken um tausend Dinge kreisen oder du dich unter Druck setzt, weil du etwas meistern oder noch viele Aufgaben erledigen möchtest, wird es schwer sein, deinen Körper so richtig zu entspannen.

Zu lernen, die Gedanken ziehen zu lassen und bewusst zu filtern, ist für viele Menschen nicht einfach. Damit meine ich nicht, dass bestimmte Gedanken „schlecht“ sind. Alles hat seine Berechtigung, aber nicht alles hat jetzt seinen Platz. Erst wenn du lernst, im Hier und Jetzt zu sein und auch deine Gedanken und die damit verbundenen Gefühle zu entspannen und fließen zu lassen, wird auch dein Körper vollkommen zur Ruhe kommen können. Denn seinen Körper unter stressigen Gedanken zu entspannen, ist nahezu unmöglich.

Neben diesen alltäglichen, „einfachen“ Beschwerden können auch ernsthafte psychosomatische Erkrankungen entstehen. Unter dem Begriff Psychosomatik wird das Zusammenspiel von Körper und Psyche verstanden. Menschen mit psychosomatischen Leiden verspüren körperliche Symptome, die Ärzte medizinisch nicht erklären können. Dies können zum Beispiel erhöhter Blutdruck, Rücken- oder Magenbeschwerden oder im schlimmsten Fall auch akute Schmerzen ähnlich eines Herzinfarktes sein. All das und noch vieles mehr kann in Folge von dauerhaftem Stress oder anderen seelischen Belastungen auftreten.

Es gibt immer mehr Anhaltspunkte dafür, dass bestimmte Nährstoffe das Auftreten psychischer Erkrankungen wie beispielsweise Depression beeinflussen können, dass also der Körper mit seinen Wirkmechanismen einen Einfluss auf die Psyche hat.

Ein Vitamin-D-Mangel könnte demnach einen Zusammenhang mit dem Auftreten einer Schizophrenie haben. Zudem wird weiter untersucht, ob Folsäure nicht nur für die Entwicklung des ungeborenen Kindes förderlich ist, sondern auch zur Behandlung und Vorbeugung von Depressionen eingesetzt werden kann. Durch Nahrungsergänzungsmittel konnten in Studien bereits Ängste und Stress gemindert werden. All diese und andere Zusammenhänge zwischen der Ernährung und psychischen Erkrankungen werden und müssen weiter und intensiv erforscht werden.

Der deutsche Schriftsteller Christian Morgenstern sagte einmal:

„Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.“

Er hätte es wohl nicht besser ausdrücken können!

Manches nehmen wir eventuell nicht gleich wahr und nicht jeder Stressfaktor ist für uns gleich greifbar. Deshalb möchte ich dich ermutigen, auf deinen Körper zu hören. Nimm ihn ernst mit dem, was er dir „sagen“ will. Auch wenn du nicht gleich verstehst, woher bestimmte Beschwerden kommen, so lohnt es sich oft, genauer hinzuschauen.